| Beschreibung des Ereignisses |
Beschreibung: In der Reststoffaufbereitungsanlage ( Vorzerkleinerer) werden anfallende Stäube aus der Resopalfertigung, kleinere und größere Resopalabfallstoffe und Papierreste auf eine Größe von unter 4 mm zerkleinert und in Silos gefördert, um sie anschließend der Verbrennung in den Kesseln zuzuführen. Am 09.07 1994 ereignete sich in der Anlage gegen 9.15 Uhr eine Staubexplosion mit anschließender Brandentwicklung. Durch die Druckwelle wurde die Glaswand zum Kesselhaus zerstört und das Blechdach um mehrere cm angehoben. Zusätzlich wurden Blechabdeckungen der Reststoffaufbereitungsanlage angehoben. Kunststoffkompensatoren zw. Trogkettenförderer, Förderschnecke und Siebmaschine wurden durch die Temperatur- und Druckbelastung der Explosion zerstört. Die über der Siebmaschine befindliche Decke aus losen Betonelementen wurde ebenfalls angehoben. Zum Zeitpunkt der Explosion waren 6 Mitarbeiter mit der Reinigung eines Kessels im Keller beschäftigt, einer davon frühstückte im Kesselhaus hinter der Glaswand zum Zerhackerraum. Er wurde jedoch nicht verletzt. Die 6 Mitarbeiter konnten den beginnenden Brand mit Handlöschern sofort löschen, nicht jedoch die Glimmbrände im Zerhackerraum, so daß die freiwillige Feuerwehr Groß-Umstadt gerufen werden mußte. 23 Feuerwehrleute waren bis ca. 14.00 Uhr im Werk. Die Anlage mit dem Trogkettenförderer wurde erst ca.10 min nach der Explosion abgeschaltet, so daß der nach der Explosion über den Trogkettenförderer weitergeführte Staub Schwelbrände in 2 Silos entfachen konnte. Nach Feststellung der Schwelbrände wurde zusätzlich zur Freiwilligen Feuerwehr die Werkfeuerwehr der Fa. Merck gerufen. 6 Feuerwehrmänner versuchten die Schwelbrände mit CO2 zu ersticken. Gegen 21.30 Uhr wurde dies als nicht gelungen abgebrochen und auf Anraten der Werkfeuerwehr Merck wieder die Freiwillige Feuerwehr Groß-Umstadt gerufen, um unter optimalem Schutz die Silos so weit zu leeren, daß die Brandnester abgelöscht werden konnten. Bis Sonntag früh ca. 2.00 Uhr waren 23 Personen im Einsatz. Dann übernahm die betriebseigene Werkfeuerwehr mit 6 Personen die Restlöscharbeiten. Um ca. 4.30 Uhr war alles gelöscht. Bei den halbstündigen Kontollgängen der Werkfeuerwehr wurde gegen 22.30 Uhr wieder Rauchentwicklung in einem Silo festgestellt und mit eigenem Personal bis ca. 24.00 Uhr abgelöscht. Aufgrund der verwischten Spuren durch die Löscharbeiten wurde die Untersuchung hinsichtlich einer Festlegung über die Schadensursache erheblich erschwert. Als wahrscheinlich wird angenommen, daß sich phenolharzgetränkte Papierabfälle zwischen die Hohlräume der fehlenden Schneidmesser geklemmt haben, was mangels der ungenügenden Durchmischung zu großen Reibleistungen geführt hat. Die dabei entstehende Wärme leitete das Ausgasen von brennbaren Bestandteilen des Phenolharzes ein und bildete zusammen mit dem Staub in Luft ein hybrides Gemisch, welches die Mindestzündenergie herabsetzte. Die Zündung könnte dann durch den Schwelbrand selbst erfolgt sein. Heiße Metallteile können ebenfalls beteiligt gewesen sein.
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