| Beschreibung des Ereignisses |
Beschreibung: In der Chloralkalielektrolyse ereignete sich ein Störfall, bei dem Chlor aufgrund einer Chlor-Wasserstoff-Explosion freigesetzt wurde: Die Chloralkalielektrolyse wurde, wie auch an den Tagen zuvor, nahe ihrer technischen Kapazität betrieben. Die Anlage produzierte 15,6 t Chlor/h und befand sich im bestimmungsgemäßen Zustand. Es gab keine offenkundigen Abweichungen vom sicheren Fahrzustand. Zum Zeitpunkt der Betriebsstörung war die Schicht mit 9 Personen in korrekter Bedienerstärke besetzt. Durch akustischen Alarm wurde der Meßwärter informiert, da es bei einigen Zellen zu einem Kurzschluß gekommen war. Dieser Vorgang ist nicht ungewöhnlich und beruht i.d.R. auf einer leichten Druckschwankung im Wasserstoffsystem, die durch die bestehende Abtauchung zwischen Wasserstoff- und Chlorbereich drucktechnisch "weitergereicht" wird. Bei der Ursachensuche für den erhöhten Wasserstoff-Druck stellte der Meßwärter unmittelbar fest, daß das Wasserstoff-Gebläse, welches den gesamten Wasserstoff aus der Anlage druckgeregelt absaugt, ausgefallen war. Der Mitarbeiter versuchte, das Gebläse wieder anzustellen, was zunächst auch gelang. Allerdings fiel das Aggregat kurze Zeit später erneut aus. Es wird daher angenommen, daß der Ausfall durch die Unterdruckverriegelung des Aggregates ausgelöst wurde. Die Bedienungsmannschaft beobachtete zu dieser Zeit, daß es zu einer erheblichen Wasserstofffreisetzung aus den Tauchröhrchen der Amalgamzersetzer kam. Grund dafür war ein nicht genügender Abfluß von Wasserstoff über den bei solchen Fällen vorgesehenen Weg des "Blubbertopfes" über Dach. Diese Wassertauchung ist auf 70 mm WS eingestellt und transportiert den Wasserstoff gefahrlos über Dach. Das Gefäß ist für diese Fälle vorgesehen und entsprechend ausgelegt. Am Tage der Betriebsstörung war die Funktion der Sicherheitseinrichtungen allerdings unbemerkt eingeschränkt, da sich zum Zeitpunkt der Störung innen eine nicht unerhebliche Schmutzablagerung gebildet hatte, die den Gegendruck vergrößerte. Wasserstoff gelangte so über die Quecksilberpumpe, die das aufbereitete Quecksilber wieder in die Elektroysezelle fördert, in den Zellenraum. Dieser rasche und massive Einbruch von Wasserstoff führte zu einem zumindest lokal explosionsfähigen Gemisch. Die erste schwere Explosion zerstörte einen Teil der Zellen sowie die direkt unterhalb des Explosionsherdes liegende Chlorsammelleitung im neuen Zellenblock. Die Anlage wurde unmittelbar nach der Explosion von der Mannschaft über Not Aus abgeschaltet. Die Nachproduktion von Wasserstoff durch die automatisch weiterlaufende Zersetzung des zu diesem Zeitpunkt existierenden Amalgams war davon aber unberührt. Im weiteren Verlauf kam es zu einer weiteren schweren Explosion, die die im Außenbereich verlaufende Chlorsammelleitung zerstörte. Auslösendes Ereignis war der Ausfall des Wasserstoff-Gebläses. Es konnten weder mechanische noch elektrische Ursachen festgestellt werden. Es muß davon ausgegangen werden, daß das Ausfallen durch die Unterdruckverriegelung ausgelöst worden ist. Insgesamt erlitten drei Feuerwehrleute und ein Betriebsangehöriger Reizungen der oberen Atemwege, nachdem ihre Chlorgasmasken durchgeschlagen waren. Der betroffene Betriebsangehörige stand zudem einige Tage unter einer Schockeinwirkung.
|