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ZEMA - Detailansicht für Ereignis vom 23.07.2009

Bezeichnung 2009-07-23 Explosion im Chlor-Niederdruck-Bereich einer Chlor-Alkali-Elektrolyse
Einstufung des Ereignisses Einstufung Anhang VI Teil1: II
Ereignisdatum 23.07.2009

Anlagedaten

Anlagenart Chlor-Alkali-Elektrolyse (4.1l)
betroffener Anlagenteil Elektrolysegebäude: Sammelleitung für Chlor, Chlorgas-Titankühler
Niederdruck-Bereich der Chlorverarbeitung: Kühltürme, Demister, Chlor-Niederdruckgebläse, Trockentürme (teilweise)
Postleitzahl 49479
Ort des Ereignisses Ibbenbüren
Bundesland / Land: Nordrhein-Westfalen
Betreiber: Akzo Nobel Industrial Chemicals GmbH

Ereignisdaten

Art des Ereignisses Explosion
Datum / Zeit 23.07.2009 01:13 bis 23.07.2009 05:01
Ursache (Kategorie) umgebungsbedingte Ursache
Betriebsvorgang Prozess

Beteiligte Stoffe

Stoffe CAS-Nr. Anhang 1 Nummer neu Stoffmenge in kg
Wasserstoff
Auslösender Stoff
1333-74-0 2.44 15,00
Chlor
Auslösender Stoff
7782-50-5 2.16 500,00
Kat.: Giftig
Chlorwasserstoff (7647-01-0) Freigesetzter Stoff (Luft)
2

Auswirkungen innerhalb der Anlage

Verletzte Beschäftigte: 2 Einsatzkräfte: 0
Tote Beschäftigte: 0 Einsatzkräfte: 0
Art der Sachschäden Ja Kosten: 1500000 €
Art der Sachschäden Apparate, Rohrleitungen, Armaturen
Art der Umweltschäden Nein Kosten: 0 €
Art der Umweltschäden

Auswirkungen ausserhalb der Anlage

Verletzte Beschäftigte: 0 Einsatzkräfte: 0 Bevölkerung: 0
Tote Beschäftigte: 0 Einsatzkräfte: 0 Bevölkerung: 0
Art der Sachschäden Nein Kosten: 0 €
Art der Sachschäden
Art der Umweltschäden Nein Kosten: 0 €
Art der Umweltschäden

Beschreibung des Ereignisses

Beschreibung des Ereignisses Bedingungen:
Bei einem Spannungseinbruch werden in einer Chlor-Alkali-Elektrolyse sicherheitstechnisch relevante Aggregate über einen Notstromaggregat mit elektrischer Energie versorgt. Die Umschaltung von Normal- auf Notstrom erfolgt automatisch über eine Notstromsteuerung.

Auslöser:
Am 23. Juli 2009 kam es zu einer Explosion mit Sachschaden im Chlor-Niederdruck-Bereich einer Chlor-Alkali-Elektrolyse.

Um 01.13 Uhr führte ein Blitzeinschlag in das 110-kV-Versorgungsnetz zu einem kurzzeitigen Spannungseinbruch im Werksnetz. Bestimmungsgemäß lief das Notstromaggregat an und es wurde auf Notstrom umgeschaltet. Innerhalb von wenigen Millisekunden kehrte der Normalstrom wieder zurück. Diese kurzzeitige Schaltfolge verursachte eine Blockade eines Leistungsschalters der Notstromumschaltung. Die Folge war, dass sicherheitsrelevante Systeme nicht mit elektrischer Energie versorgt wurden. Die Gleichrichteranlagen wurden nicht abgeschaltet, sondern standardmäßig im Schutzbetrieb mit etwa 5% Leistung betrieben. Die Elektrolyse erreichte somit einen Zustand, bei dem die sicherheitsrelevanten Quecksilber-Umwälzpumpen der Elektrolysezellen außer Betrieb waren und die Elektrolysezellen weiterhin im Schutzbetrieb mit elektrischer Energie aus dem Normalnetz betrieben wurden. Das Zusammentreffen dieser Ereignisse führte dazu, dass die strikte räumliche Trennung der elektrochemischen Bildung von Chlor und Wasserstoff in der Elektrolyse nicht mehr gegeben war. Die Entstehung und nachfolgende Zündung eines explosionsfähigen Chlor-Knallgas-Gemisches in Apparaten und Rohrleitungen führte zur Explosion mit Sachschaden (01.41 Uhr).
Zwei Mitarbeiter atmeten während der Einleitung von Sofortmaßnahmen kurzzeitig Chlor ein.

Sicherheitsfunktion:
Durch die Schaltblockade wurde das zentrale Sicherheitskonzept zur elektrischen Energieversorgung und sowie Teile der sicherheitsrelevanten Überwachungen der Elektrolyse außer Kraft gesetzt.

Ursache:
Nach einem Blitzeinschlag in das 110 kV-Versorgungsnetz des Betriebes kam es zu einer Schalterblockade in der elektrischen Energieversorgung. Die Folge war, dass sicherheitsrelevante Systeme nicht mit elektrischer Energie versorgt wurden und es zur Entstehung eines explosionsfähigen Chlor-Knallgas-Gemisches mit einer nachfolgenden Zündung kam (s. Auslöser/Ablauf).

Technische Fehlfunktion eines Leistungsschalters.

Ähnliche Ereignisse:
In der Vergangenheit kam es zu vergleichbaren kurzzeitigen Spannungseinbrüchen, die mit dem bisherigen Sicherheitskonzept zur elektrischen Energieversorgung problemlos beherrscht werden konnten.

Notfallmaßnahmen

Beschreibung der Notfallmaßnahmen Ergriffene Schutzmaßnahmen:
- Evakuierung des betroffenen Bereichs
- Stationäre Berieselungsanlage
- Notabschottung bzw. Trennung des Niederdruck- und Mitteldruck-Bereichs der Chlorverarbeitung
- Errichtung von Wasservorhängen; Schadstoffmessungen in der Umgebung

Beseitigte Sachschäden:
- Ersatz der beschädigten Apparate, Rohrleitungen und Armaturen

Schlussfolgerung

Beschreibung der Schlussfolgerung Vorkehrungen zur Vermeidung:
- Änderung der Notstromsteuerung zur Vermeidung von Schaltblockaden.
- Ergänzung des Schutzbetriebs der Gleichrichteranlagen durch einen Not-Aus bei Unterspannung oder Ausfall der Notstromversorgung.
- Visualisierung aller Schaltzustände der elektrischen Energieversorgung im Leitstand.
- Schulung des Bedienpersonals zur elektrischen Energieversorgung sowie zur Beherrschung von Ausnahmesituationen.

ausgewertete Unterlagen

ausgewertete Unterlagen Mitteilung nach § 19 Abs. 2 Störfall-Verordnung
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