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ZEMA - Detailansicht für Ereignis vom 29.07.2024

Bezeichnung 2024-07-29 Explosion durch Wasserstoff in einer Isophytol-Fabrik
Einstufung des Ereignisses Einstufung Anhang VI Teil1: I 4a
Ereignisdatum 29.07.2024

Anlagedaten

Anlagenart 4. Chemische Erzeugnisse, Arzneimittel, Mineralölraffination und weiterverarbeitung\n4.1.2
betroffener Anlagenteil Isophytol-Fabrik Anlagen-Nr. 03.01
Postleitzahl 67056
Ort des Ereignisses Ludwigshafen
Bundesland / Land: Rheinland-Pfalz

Ereignisdaten

Art des Ereignisses Brand, Explosion
Datum / Zeit 29.07.2024 12:00 bis 29.07.2024 12:45
Betriebsvorgang Prozess

Beteiligte Stoffe

Stoffe CAS-Nr. Anhang 1 Nummer neu Stoffmenge in kg
E2 Gewässergefährdend, Kategorie Chronisch 2
Pseudoionon\nCAS-Nr.: 141-10-6 In Brand geratener Stoff
1.3.2
Wasserstoff
Auslösender Stoff
1333-74-0 2.44 1,80

Auswirkungen innerhalb der Anlage

Verletzte Beschäftigte: 0 Einsatzkräfte: 0
Tote Beschäftigte: 0 Einsatzkräfte: 0
Sonstige Beeintr.: Acht Verletzte Mitarbeiter durch Brand in ambulanter Behandlung, vier verletzte Einsatzkräfte durch den Brand in ambulanter Behandlung
Art der Sachschäden Ja Kosten: 45000000 €
Art der Sachschäden Brand- und Explosionsschäden auf der 12m Bühne
Art der Umweltschäden Nein Kosten: 0 €
Art der Umweltschäden

Auswirkungen ausserhalb der Anlage

Verletzte Beschäftigte: 0 Einsatzkräfte: 0 Bevölkerung: 0
Tote Beschäftigte: 0 Einsatzkräfte: 0 Bevölkerung: 0

Beschreibung des Ereignisses

Beschreibung des Ereignisses Bedingungen:
Am Ereignistag am 29.07.2024 wurde die Hydrierung im Kreis gefahren. D.h. nur der Kreislaufstrom mit TH-GAC (Tetrahydrogeranylaceton) wurde aufrechterhalten, ohne dass TH-GAC produziert bzw. in den Reinproduktbehälter ausgetragen wurde. Bei dieser Prozessfahrweise ist der Zulauf von Pseudoionon (PSJ) geschlossen. Zur Verhinderung eines Druckabfalls im Hydrierreaktor und Gasabscheider, wird Wasserstoff nachdosiert. Bei der Fahrweise herrschte ein Druck von ca. 20 bar und eine Temperatur von ca. 130°C.

Auslöser:
Explosionsursache auf der +12m und +18 m Bühne ist die Freisetzung von Wasserstoff, verursacht durch ein spontanes Aufreißen einer wasserstoffführenden Rohrleitung (Kreisgasrohrleitung), die vom Kopf des Gasabscheiders zum Feedeintrag des Hydrierreaktors führt. Damit einhergehend war die Bildung einer gefährlichen explosionsfähigen Atmosphäre (g.e.A.) und deren spontane Selbstentzündung. Es erfolgten die Evakuierungen des Baus und der angrenzenden Gebäude und die Löscharbeiten wurden unmittelbar nach Eintreffen der Werkfeuerwehr aufgenommen. Nach Beendigung der ca. 40-minütigen Löscharbeiten, konnten nach Brandende die Produktionsräume in den + 9 m, +12 m, +15 m und +18 m Apparatebühnen durch den Einsatz einer Drohne der Werkfeuerwehr eingesehen werden. Dabei wurden Leckagen an einer Natronlauge-Leitung (50 ig%), einer Wasser- und einer ß-Ionon-Leitung erkannt. Die Wasser- und ß-Ionon-Leitung konnten von der Betriebsmannschaft zeitnah geschlossen und somit die Leckagen beendet werden. Der Natronlauge-Austritt an, der im Ereignisbereich verlaufenden Rohrleitung, konnte erst gegen 22:00 Uhr desselben Tages beendet werden. Das angefallene Löschwasser konnte vollständig innerhalb des Baus zurückgehalten werden.

Sicherheitsfunktion:
Aufgrund des spontanen Versagens der Kreisgasrohrleitung und der damit verbundenen direkten Freisetzung von Wasserstoff mit hohem Druck (ca. 17,7 bar) und der einhergehenden Explosion innerhalb von wenigen Sekunden gab es keine Möglichkeit durch sicherheitstechnische Einrichtungen das Ereignis abzuwenden. Durch Not-Aus wurden alle Teilanlagen der Isophytol-Anlage abgestellt.

Ähnliche Ereignisse:
Ähnliche vorangegangene Ereignisse im gleichen Ausmaß sind nicht bekannt.

Notfallmaßnahmen

Beschreibung der Notfallmaßnahmen Ergriffene Schutzmaßnahmen:
Alarmierung der Feuerwehr, Bauräumung mit Anwesenheitskontrolle, Alarmierung der Bevölkerung über Medien

Beseitigte Sachschäden:
Ertüchtigung der baulichen Struktur in betreffenden Gebäude, Reinigungsarbeiten im kompletten Prozessbau, Erneuerung der beschädigten Anlagenteile, Erneuerung der Prozessleittechnik,

Beseitigte Umweltschäden:
Es gab keine Umweltschäden

Externe Gefahrenabwehrkräfte:
Der Brand wurde durch die Werksfeuerwehr gelöscht, externe Kräfte mussten nicht eingreifen.

Schlussfolgerung

Beschreibung der Schlussfolgerung Vorkehrungen zur Vermeidung:
Die vollständige Trennung des vinylchloridhaltigen Abgassammelsystems von den übrigen Abgassystemen ist in der Anlagenänderung umgesetzt und in Betrieb genommen worden. (Behördenmeldung vom 04.04.2025) Damit ist künftig ein Eintrag von Vinylchlorid in andere Teilanlagen ausgeschlossen, die bestimmungsgemäß kein Vinylchlorid enthalten. Die Änderung wurde der Behörde mit Anzeige nach §15 BImSchG vom 11.03.2025 mittgeteilt.
Die Kreisgasleitung und der Abgas-Kondensator der Teilanlage 62 wurden in einem Nickel-basierten Stahl Hastelloy C (2.4602) aufgebaut. Dieser Werkstoff ist beständig gegen chloridinduzierte Spannungsrisskorrosion.
Im Bereich der Kreisgasleitung unterhalb des Abgaskondensators wurden Korrosionsproben aus Edelstahl 1.4541 und Hastelloy C (2.4602) installiert, die künftig einmal jährlich im Rahmen der Abstellung ausgebaut und auf Korrosion untersucht werden.

Vorkehrungen zur Begrenzung:
keine Vorkehrungen

ausgewertete Unterlagen

ausgewertete Unterlagen Abschließende Mitteilung nach § 19 Abs. 2 der Störfall-Verordnung vom 25.07.2025 (Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität Rheinland-Pfalz)
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